Buchbeschreibung, Autor

” Nichts im Leben muss man fürchten, man muss es nur verstehen.
Jetzt ist die Zeit, mehr zu verstehen, damit wir weniger fürchten. “

Marie Curie (1867–1934)

1Wir müssen Zürich evakuieren

In manchen Regionen der Erde – etwa in Teilen der Alpen – ist die natürliche Strahlenexposition deutlich erhöht, vor allem wegen uranreicher Gesteinsformationen. Erstaunlich: Die langfristige Strahlendosis liegt dort deutlich über jener in der Evakuationszone von Fukushima. Konsequenterweise müssten wir die Alpen evakuieren. Doch es gibt schlimmeres.

Weltweit sterben jedes Jahr mehrere Millionen Menschen an Feinstaub, vorwiegend in den Ballungszentren. In der Schweiz sind es rund 2000 Todesfälle pro Jahr, in Deutschland 60‘000. Das Feinstaubrisiko in Grossstädten liegt klar über dem Strahlenrisiko in der Falloutzone von Fukushima – gemäss den WHO-Daten. Also müssen wir auch die Städte evakuieren.

Unsere Strahlenängste 

Der tiefere Grund für diese bizarren Dilemmas liegt in unseren irrationalen Strahlenängsten. Historisch gehen diese Ängste auf die enge Verknüpfung der Strahlung mit den Atombomben zurück. Verstärkt wurden sie später durch die Hypothese, dass bereits ein einzelnes Strahlenteilchen genügen könne, um einen tödlichen Krebs auszulösen. Doch die Daten aus Hiroshima und Nagasaki erzählen eine andere Geschichte. 

  

Der Goldstandard des Strahlenrisiko

54’000 Langzeitüberlebende aus den inneren Stadtgebieten von Hiroshima und Nagasaki waren hohen Strahlendosen ausgesetzt – und wurden zur Grundlage der grössten medizinischen Studie aller Zeiten. Die Resultate gelten bis heute als die verlässlichste Wissensbasis zur Wirkung radioaktiver (ionisierender) Strahlung.

Der zentrale Befund: Nur etwa 1% aller exponierten Überlebenden starben an einem strahlenbedingten Krebs. 

Fürchten wir uns vor dem Richtigen?

Die Ergebnisse aus Hiroshima und Nagasaki zeigen klar: Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Übergewicht, Stress, Ernährung, Bewegung, sowie Umwelteinflüsse wie Feinstaub haben einen grösseren Einfluss auf die Gesundheit der Überlebenden als die Strahlung der Bomben.

Zudem: Unterhalb einer relativ hoch liegenden Dosisschwelle konnten in Hiroshima und Nagasaki keine gesundheitlichen Schäden nachgewiesen werden. Zudem: Bei den Nachkommen von stark bestrahlten Eltern wurde keine erhöhte Missbildungsrate festgestellt.

Diese Erkenntnisse finden kaum Eingang in die öffentliche Debatte. Vielleicht, weil sie ein Bild zeichnen, das nicht zu den gängigen Ängsten passt. 

Die Natur ignoriert unsere Grenzwerte

Die Ängste vor der Strahlung haben die Grenzwerte immer weiter nach unten gedrückt – bis weit unter die natürlichen Hintergrundstrahlung.  Doch die Natur geniesst eine Sonderstellung: Sie unterliegt nicht den Grenzwerten des Strahlenschutzes. Unlogisch, denn natürliche und künstliche Strahlung wirken identisch. Diese Sonderstellung hat aber einen Vorteil: Wir müssen die Alpen doch nicht evakuieren.

Wir haben den Massstab verloren

Wir leiden unter einer tiefsitzenden, Furcht vor der Radioaktivität – vor allem weil wir Risiken nicht vergleichen. Ohne Vergleiche verlieren wir den Massstab, und ohne Massstab haben Ängste freie Hand. Vor allem sollten wir aufhören, Dosen zu bekämpfen, die im Bereich natürlicher Hintergrundschwankungen liegen.
Es ist an der Zeit, die Strahlung aus dem Reich der Mythen zu befreien.

 

 

Aufbau des buches

Um sich in unserem Angstzeitalter besser zurechtzufinden führt uns der Autor zunächst in die Welt der Atome ein – anschaulich und unterhaltsam. Hitler, Kleopatra, sein lebendig eingemauerter Ur…Ur-Ahne und Papst Innozenz XI helfen dabei.

Es folgen leicht verständliche Blitzkurse über Kernphysik, Radioaktivität, Molekularbiologie, Genetik, Onkologie und Psychologie. Falls die Themen als zu «wissenschaftlich» empfunden werden, kann man die Kapitel auch übergehen und allenfalls nur die Zusammenfassung am Ende jedes Kapitels lesen.

Ein zentrales Thema des Buches ist die Radioaktivität, ein Bereich, der oft von absurden Risikovorstellungen betroffen ist. Im Zusammenhang damit werden Kernkraftkatastrophen (Tschernobyl, Fukushima), Atombomben, ein nuklearer Weltkrieg und radioaktive Abfälle ausführlich besprochen – unter Berücksichtigung der neusten Forschungsresultate.

Unsere chemischen Abfälle, einschliesslich derjenigen aus erneuerbaren Energien, stellen ein gravierendes Problem dar. Ein Vergleich mit den nuklearen Abfällen und mit der Natur führt zu überraschenden Ergebnissen. Schliesslich befasst sich der Autor mit den in unseren Lebensmitteln enthalten künstlichen und natürlichen Stoffen.

Ein besonderes Thema stellen unsere Grenzwerte dar. Gewisse liegen bereits im Schadensbereich, andere sind Lichtjahre davon entfernt. Letztere liefern den Stoff für einige bizarre Geschichten. Abschliessend kommt der Autor auf das zu reden, was uns wirklich umbringt – und wie es um unsere Einflussmöglichkeiten steht.

Der Text wird durch viele Bilder, Karikaturen, Anekdoten, verblüffende Vergleiche, etwas Geschichte und einer Prise Humor aufgelockert. 

 

Zum Autor

Ich bin promovierter Kernphysiker mit einem starken Interesse für Medizin, Strahlen- und Molekularbiologie. 15 Jahre lang forschte ich an der ETH in Zürich, auf dem Gebiet der Kern-, Teilchen-, Festkörper- und Biophysik. Anschliessend war ich 25 Jahre im ABB-Konzern tätig, im Bereich Elektronik, Sensorik, Energietechnik und angewandter Physik, war Mitglied des Konzernforschungsstabes und verantwortlich für grössere internationale Forschungsaktivitäten. Als langjähriger Chefphysiker in der Schweizer Armee habe ich mich intensiv mit allen Aspekten der Radioaktivität und Nuklearwaffen befasst. Heute bin ich selbstständiger Berater und Publizist, politisch unabhängig.

Weitere Informationen: https://www.linkedin.com/in/walter-ruegg-0b028165/